„Annapurna Circel „

eine der schönsten Trekkingtouren der Welt.

 

Schon lange war mir diese gewaltige Trekkingtour rund um den Annapurna, der als größter Gebirgsstock der Welt gilt, ein Anliegen. Da meinen Bergfreunde, die im November 2005 die Tour machten, einerseits aus dem Schwärmen nicht mehr heraus kamen, andererseits aber vom beginnenden Straßenbau auf Teilstrecken des Trekkerweges berichteten, durch den ein Grossteil des 330 Km langen Trekkingweges unwiederbringlich verloren gehen wird, beschloss ich, die Tour noch 2006 durchzuführen. 

Da es bereits meine zweite Nepalreise war, und ich damit eine gewisse Erfahrung mitbrachte, entschloss ich mich die Tour auf eigene Faust mit meiner Frau zu organisieren.

 

 

Vorbereitung:

Erst nach Ende der politischen Unruhen in Nepal Anfang Juni buchten wir bei „OM-MANE Trekking“ den Flug nach Kathmandu. Diespäte Buchung brachte uns cirka 100 € Mehrkosten und einen Platz auf einer Warteliste ein. Nachdem wir unsere Tickets und den genauen Abflugtermin erhalten hatten und somit der Zeitplan feststand holte ich per e-Mail mehrer Angebote über die nachfolgenden Leistungen ein.

Flughafen Transfer:

Dieser kostete 6 US$ / Person und kann nur empfohlen werden. Verläst man den Airport findet man sich mitten im Chaos wieder. Nur so kann man es als Mitteleuropäer empfinden, wenn man unvermittelt von unzähligen „Taxidrivern“ und Gepäckträgern bedrängt wird.  Linksverkehr und Verkehrschaos in Kathmandu geben den Rest. In diesem Preis war auch die Fahrt am Ende des Urlaubs vom Hotel zum Flughafen inbegriffen. Ebenso eine Begleitperson, die sich um den reibungslosen Ablauf bei Gepäckaufgabe und Einchecken am Rückflugtag kümmerte.

Hotel:

Über die Agentur „asian-trekking“ haben wir auch das Hotel Norbu Linka unweit vom Stadtzentrum Thamel gebucht. Mit 11US$ / Person incl. Frühstück war es erheblich günstiger, als wenn ich es direkt über das Internet (28 US$) gebucht hätte. Das Hotel ist empfehlenswert und hat einen guten Standart.

Annapurna Conservation Entry Fee:/

Es handelt sich dabei um die Eintrittsgebühr in den Annapurna Nationalpark, diese beträgt 30US$ / Person 

Trekking Registration Certificate (TRC):

4 US$ /Person. Die Nepali sind sehr erfinderisch was Gebühren anbelangt und uns blieb bis heute verborgen wofür genau dieses TRC zu bezahlen ist.

Guide/Porter

Seit 28.10.2006 gilt in Nepal eine neue Verordnung die vorschreibt, dass bei Trekkingtouren eine einheimische Begleitperson dabei sein muss. Dies kann ein Guide (Führer) oder Porter (Träger) sein. In diesem Punkt hatte ich mit der Agentur im Vorfeld etwas Ärger da sie mir unbedingt einen Guide und einen Porter vermitteln wollten. Erst als ich Ihnen schrieb, wir nehmen nur einen Guide und dieser muss 10 Kg tragen, ansonsten würde ich es über eine andere Agentur versuchen, lenkten sie ein. Für 12 US$ / Tag buchten wir also einen Guide.

Insurance of guide/porter

30US$

Diese Gebühr finde ich schon abartig, dabei handelt es sich um die Eintrittsgebühr in den Nationalpark für den Führer.

Public Local Express Bus (KTM-Besisahar):

7 US$ /Person für die Busfahrt von Kathmandu ins 200 Km entfernte Besisahar.

Agency Service charge: US$ 15 / Person

Auch die Agentur will was verdienen für die Organisation vor Ort, vor allem hatten sie die Permits (Conservation Entry Fee und TRC)  besorgt. Will man das selber in Kathmandu erledigen verliert man einen ganzen Tag.

 

 

1 Tag

Mit zwei voll gepackten Rucksäcken je 12 kg und zwei kleinen Rucksäcken je 5 kg (Handgepäck) ging es zuerst mal zum Bahnhof. In aller Gemütlichkeit reisten wir zum Flughafen München mit dem Zug an um jeglichem Autofahrer- und Parkplatzstress zu entfliehen. Wir wollten uns auf 23 Tage ohne Stress und Zeitdruck im Himalaja vorbereiten. Leider ist die Schienenanbindung zum Airport unseres ehemahligen Landesfürsten (F.J. Strauß) nicht gerade der Hit.

Mit etwa 30 Minuten Verspätung  hob die Maschine der Katar Airways um 14.15 Uhr Richtung Doha, der Hauptstadt von Katar ab, wo wir nach 5 Stunden um 21.15 Ortszeit ankamen. Katar liegt neben den arabischen Emiraten am Eingang zum persischen Golf.

 

Anflug Kathmandu

 

2 Tag

Nach gut 5h Aufenthalt ging es um2.40 Ortszeit weiter nach Kathmandu (1350m), der Hauptstadt Nepals, wo wir flugplanmäßig um 9:15 (Ortszeit) landeten. Wichtig zu wissen ist, dass man für die Einreise nach Nepal ein Visum benötigt, dazu gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man besorgt sich das Visum Zuhause in unserem Fall wäre das München gewesen oder man beantragt es bei der Einreise, wie wir es diesmal machten. Dabei ist zu beachten, dass man ein Passbild dabei hat, den Antrag für das Visa bereits ausgefüllt hat (Antrag kann man über das Internet herunter laden) sich im Shuttlebus gut positioniert und 25 € / Person bereit hält, dann hat man nach 5 Minuten die Einreise geschafft. Noch bevor wir den Flughafen verlassen haben wir 600 € in nepalische Rupien gewechselt, was uns bei einem Kurs von 90 NRP/€ ein Bündel von 54000 NRP einbrachte.

Beim Verlassen der Ankunftshalle wurde es interessant, eine Menschenmenge aus Taxifahrern, Gepäckträgern und anderen Personen welche von Polizisten in Schach gehalten wurden, vermitteln einem ein chaotisches Bild. Da uns die Agentur vorab mitgeteilt hatte, dass unser Fahrer ein Schild mit unseren Namen habe, konzentrierten wir uns auf ganz auf den Schilderwald. Noch bevor wir unsere Namen entdecken, sprach uns jemand an „Hallo Max and Christiane“. Es war der Fahrer unserer Agentur, der gleich auch noch einen Jugendlichen zum Schleppen unserer Rucksäcke engagierte.  Nach Entrichtung eines Trinkgeldes von 1.00 Euro (in Nepal Tip genannt) und einer ½ stündigen  Fahrt erreichten wir Hotel Norbu Linka,  wo wir bereits von „Amar Pradhan“ unserem Organisator der Agentur und dem Guide „Jaya Tamang“ der uns in den nächsten 18 Tagen begleiten sollte, empfangen wurden. In einer gemütlichen Teerunde regelten wir noch den Ablauf der nächsten Tage und das Finanzielle. Flugticket und Passport hinterließen wir bei der Agentur, so dass ein Mitarbeiter 3 Tage vor dem Rückflug zum Flughafen fahren konnte um den Rückflug für uns zu bestätigen. Einen Dokumentensatz in Kopieform nahmen wir mit auf die Tour und einen hinterließen wir im Hotel. 

Nachmittags stürzten wir uns noch in das Gewühl von Thamel mit seinen Abertausenden  von Geschäften, um noch den einen und anderen Ausrüstungsgegenstand zu besorgen. Am Abend packten wir noch die beiden Trekkingrucksäcke und verstauten alles andere Gepäck in den beiden kleinen Rucksäcken, die wir im Hotel deponieren konnten. 

 

Thamel

 

3.Tag  

Um 7:30 stand bereits das von der Agentur georderte Taxi mit Jaya unseren Führer vor der Tür, um uns zum zentralen Busbahnhof zu bringen. Dort angekommen war es sogar für Jaya schwierig den richtigen Bus in das 200 km entfernte Besisahar unter Hunderten anderer Vehicle zu finden. Absolut abenteuerlich ging es zuerst langsam auf eine 2000 m hohe Pass, bevor es um so rasanter auf 600 Hm hinunter ging. Nach 3 1/2 h auf halber Strecke stoppte der Bus für eine Pause. Dass bei dem mindesten 40 Jahre alten Bus, aus allen  Radkästen der Rauch aufstieg und von der Hinterachse des „Made in India“ ein Stoßdämpfer fehlte hat keinen interessiert. Ein Kanadier hat noch gemeint, zwar sei vor 2 Wochen auf der Passstraße ein Bus in die Tiefe gestürzt und 120 Menschen seien um Leben gekommen, aber dieser Bus mit 36 Sitzplätzen sei nicht so überladen und immerhin fährt er diese Strecke schon seit Jahrzehnten.  Bei dem Zwischenstop aßen alle das nepalische Nationalgericht „Daal-Bhat“. Es besteht überwiegend aus Reis mit scharfer Soße und etwas Gemüse, meist Mangold, und manchmal findet man Spuren von Fleisch, aber es ist üblich, dass man auf Daal-Bhat unbegrenzt Nachschlag erhält. Nach 1/2h ging die Fahrt weiter, wir hatten festgestellt, dass der Bus 4 Besatzungsmitglieder hatte. Den Driver, er kam sich vor wie der König, dann gab es einen Co-Driver, er hatte den linken Außenspiegel im Blickfeld, den Schaffner, er kassiert den Fahrpreis (übrigens in der Regel erst beim Aussteigen) und einen der stets vom Trittbrett aus Fahrgäste reinholte, wohlgemerkt bei offener Tür. Was mir noch besonders gefallen hat, war seine Zusatzaufgabe als Huper, den er konnte eine eigene Hupe betätigen, was er mit größtem Eifer auch getan hat. Nach weiteren 3 ½ h Fahrzeit hatten wir das auf 680 m gelegene Besisahar, unseren Ausgangspunkt für die Tour ereicht. Erwähnenswert von dem Dorf  mit geschätzten 2000 Einwohner ist noch, dass seit dem letzten Monsun weder Wasser noch Stromversorgung vorhanden war.

 

Bus nach Besisahar

 

4 Tag

Eigentlich beginnt man hier auf Schusters Rappen zu Laufen aber Jaya meinte, die ersten 2h gebe es eine Straße mit Busverbindung die wir nutzten sollten. Die Fahrt nach Khudi war mehr als abenteuerlich und dauerte 1 ½ h. Nun endlich konnten wir loslegen, als erstes mussten wir den Marsyandi River über eine riesige Hängebrücke in über 100m queren. Über 30 solcher wackeliger Konstruktionen sollten wir in den nächsten 14 Tagen passieren, welche die Schweizer vor 15 Jahren im Rahmen eines Nepalhilfsprogramms errichteten. Unmittelbar hinter der Brücke war der erste Checkpoint, wo die Permits für das Betreten des Nationalparks kontrolliert wurden, zusätzlich war eine lange Litanei auszufüllen. Leider mussten wir diese Prozedur noch mehrmals auf unserer Tour erledigen.  Danach gingen wir das Marsyangdi Tal flussaufwärts, die Vegetation sowie die Temperaturen von nahe 30°C waren hier auf 800m tropisch. Bananenstauden, Papaya, Orangen sowie Reisfelder dominierten das enger werdende Tal. Nach 2h Gehzeit hat sich das Blickfeld zum 8163m hohen  Manaslu aufgetan. Gewaltig erhebt sich der Berg aus Fels und Eis vom Tropenwald 7500 m in den Himmel. Die Schwüle wurde unerträglich und hat sich schließlich in einem starken Gewitter entladen. Der tropische Regen war so heftig, dass nach kurzer Zeit das Wasser durch das Reisstrohdach unter dem wir Unterschlupf gefunden hatten, floss. Uns blieb nichts anders übrig  als die Regenumhänge herauszuholen und die Letzte der 6 Stunden Gehzeit nach Bahundanda (1311m), das wunderbar auf einem Hügel mitten im Tal liegt, im nachlassenden Regen zurückzulegen.

 

Manaslu 8163m

 

5 Tag

Nach dem Tropengewitter des Vortages begann der Tag wolkenlos. Das einzige was mir zu Denken gab war, dass es bis 3000m herunter geschneit hatte und der Thorung La Pass den wir überschreiten mussten 5400m hoch ist. Aber zuerst ging es einmal wieder 200 Hm ins Flusstal hinunter, wo mit gewaltigen Getöse der Marsyangdi River aus dem Himalaja ins Tal stürzt. Am frühen Morgen wurden wir begleitet von Maultier Karawanen, die 5 bis mehr als 20 Tiere umfassen können und den täglichen Bedarf der Talbewohner hinein bzw. heraus tragen. Sperrige und schwere Güter werden von Portern (Trägern) transportiert.

Ständig ging es bergauf, bergab und man gewann kaum an Höhe. Das Tal wurde jetzt sehr eng mit extrem steilen Flanken, an denen sich der Weg teilweise ausgesetzt entlang schlängelte. Überall stürzte das Wasser in gewaltigen Wasserfällen ins Tal. Ich nannte diesen Tag auch Tag der Wasserfälle. Nach 4h Gehzeit kamen wir erneut zu einen Checkpoint, diesmal ein illegaler der Maoisten. Sie forderten einen Wegezoll von 100 NRP pro Tag und Person und da wir 15 Tage zu 2 unterwegs waren, knüpften Sie uns 3000 NRP (34€) ab. Ich diskutierte heftig, meine Frau staunte wie gut ich plötzlich Englisch konnte, aber es half trotzdem nichts, wir mussten bezahlen. Ich denke aber, dass es wichtig ist den Maoisten die zu erklären, dass durch die wilde Wegelagerei die Touristen ausbleiben und das Land in Armut und Anarchie versinkt. Wichtig ist auch noch, dass man die Quittung die man erhält gut aufbewahrt, um sie an den weiteren Maoistencheckpoints vorzuweisen. Denn bei aller Illegalität sind sie doch so fair nur einmal abzukasieren.

Nach weiteren 3 ½ h Gehzeit erreichten wir das Dorf „Tal“ (1900m). Leider schwächelte unser Führer heute etwas, so dass wir ½  Stunde auf ihn warten mussten. Er erklärte uns, dass er diese beiden Tagesetappen normalerweise auf 3 Tage geht, da unter 2000 m aber kaum eine Akklimatisierung stattfindet, wollten wir in den tieferen Lagen rasch voran kommen.        

 

Porter tragen Stromasten

 

6 Tag

Etwas verspätet um 7:30 brachen wir an diesem Tag auf. Die ersten Tannen und Fichten kündigten in 2000m den Wechsel von der tropischen zur gemäßigten, ja alpenländischen Klimazone an. Auch die Gesichter der Menschen, die Kultur und auch die Religion ändern sich hier. Hatten die Menschen bisher eher einen indischen Ausdruck und die Religion war hinduistisch, so dominierte von nun an der tibetische Gesichtsausdruck. Gebetsfahnen,  Stupas  und Klöster waren Zeichen des buddhistischen Glaubens. Leider machen auch hier am Dach der Welt Luftverschmutzung und saurer Regen keine Halt. Aus den Metropolen Indiens werden die Schadstoffe gegen den Himalaja gedrückt und als Folge sterben in einer Zone von 2000 bis 2500m sämtliche Tannen und Fichten. Nach insgesamt 6h Gehzeit erreichten wir Chame  (2700m). Das Dorf hat cirka 10 Lodges (Unterkünfte) und davon suchte unser Guide ausgerechnet die letzte, überfüllte aus. Doch schnell wurden ein Bettgestell und eine Matratze organisiert und aus dem letzten freien Einbettzimmer ein Doppelzimmer gemacht. Offensichtlich sprechen sich Guides und Porter tagsüber ab, in welcher Lodge sie nächtigen und wahrscheinlich waren die restlichen Lodges nur mager belegt, wenn nicht gänzlich leer. Dies war übrigens die erste Lodge, in der am Abend der Gastraum beheizt wurde. Ein Komfort den wird in den folgenden Tagen bei ständig sinkenden Temperaturen sehr zu schätzen lernten. 

 

 

 

 

Lodge, Hängebrücke mit Gebetsfahnen in Chame

 

7 Tag

Eigentlich haben wir uns den Beginn des Tages anders vorgestellt. Christiane hatte seit 2.00 morgens mit Durchfall zu kämpfen. Beim Frühstück war ihr Appetit entsprechend schlecht und so war es gut, dass wir heute eine relativ kurze Etappe von nur 530 Höhenmeter zu bewältigen hatten

Wie fast jeden Tag, brachen wir wieder um 7:00 auf. Der Talboden wurde nun breit und damit konnten wir die herrliche Bergwelt genießen. Vor allem der Annapurna II mit seinen 7937 m und der Annapurna IV mit 7525 m und gewaltigen Ostwänden beeindruckten uns an diesem Tag.

Zum ersten mal setzte heute gegen Mittag der starke Talwind ein, der bei schönem Wetter immer aufkommt und teilweise recht unangenehm werden  kann. Christiane trank zu Mittag nur eine Tasse Ingwertee (ist angeblich gut bei Magen-Darmbeschwerden) während ich mir ein Omlette bestellte, was sich später als Fehler herausstellt.

Nach 6h erreichten wir Pisang down (3185m), wobei dies nicht reine Gehzeit war, da wir auch heute wieder, wie jeden Tag  eine Teepause von etwa 30 min. um 10:00 und eine Mittagspause von gut 1h so gegen 12:00 einlegten.

Christiane legte sich in der Lodge erst mal hin um sich von ihrem Durchfall zu erholen, während ich, noch nichts Böses ahnend noch zum 200 Hm höher gelegenen Dorf Upper Pisang aufstieg. Dort besuchte ich ein wunderschönes Kloster und genoss die Sonne die hinter dem Annapurna III ( 7855m) verschwand. Zurück in Lower Pisang setzte bei mir ein leichtes Unwohlsein vom Magen her ein, so dass ich das Abendessen ausfallen ließ und nur Ingwertee trank. Ich ging früh zu Bett, musste aber nach gut einer Stunde raus um zu erbrechen. Während für mich die Sache damit ausgestanden war hatte Christiane wieder eine sehr unruhige Nacht unterbrochen von häufigen Toilettenbesuchen. Die Momos (gefüllte, frittierte Teigtaschen) die wir beide gestern abend gegessen hatten waren innen nicht richtig heiß gewesen und wohl die Ursache für unser beider Erkrankung.

 

Annapurna II

8 Tag

Der Tag begann sehr frisch mit leichtem Nachtforst, die Zeit der kurzen Hosen war vorüber. Der Talboden wurde nun sehr breit und der Blick auf die Annapurna immer gewaltiger. Kiefernwälder und herrliche Felsformationen bestimmten hier auf 3200 m die Landschaft. Fast ununterbrochen geht der Weg am schmäler werdenden Marsyandi- River entlang, bevor wir am frühen Nachmittag Manang auf 3460 m erreichten. Manang ist das größte Dorf im Tal mit geschätzten 2000 Einwohner und ist zugleich Provinzhauptstadt, wenn man das Dorf so nennen kann. Wir bezogen die bisher schönste Lodge auf unserer Tour mit eigenem Bad, schönem Balkon und direktem Blick auf den Gangapurna (7454m) dessen Gletscher in einen Gletschersee nur wenige hundert Meter von unserem Quartier entfernt, mündete.

 

Gangapurna 7454m

 

9 Tag

Obwohl dies ein Akklimatisationstag  war, stand ich schon vor  Sonnenaufgang auf und machte mich mit meiner Kamera auf den Weg, um das erste Sonnenlicht, das die Gipfel zum Erleuchten brachte, einzufangen.

Im Laufe des Vormittags gingen wir auf den 400m höher gelegenen  Aussichtspunkt und genossen bei angenehmen Temperaturen die herrliche Landschaft und den Blick auf Manang.

Nachmittags bummelten  wir noch durch das Dorf, schauten uns bei den Souvenirständen um und erstanden in einer „Germanbakery“ eine Cinemanroll(Zimtrolle),  eine willkommene Abwechslung in unserem Speiseplan der zu 90% aus Reis bestand .

Danach besuchten wir noch das älteste Kloster im Tal, welches vor 900 Jahren erbaut wurde.

 

Manang 3460m

 

10 Tag

Nach dem Ruhetag brachen wir wieder frisch und gestärkt auf. Auch die Temperaturen waren mit

-5° C recht erfrischend. Über dem Dorf lag bereits am frühen Morgen Rauch, der weniger aus den sowieso kaum vorhandenen Kaminen der Häuser stammte, als von den Altären vor den Haustüren an denen jeden Morgen Wacholderbüsche verbrannt werden um die Geister zu beschwichtigen. Ich hoffe, das dabei nicht wir gemeint waren.

Auf dem Weg nach Churi Ledar sahen wir die ersten Himalaja  Thars, eine Steinbockart die hier lebt. Wie jeden Tag legten wir auch an diesem um 11:00 eine Mittagspause ein. Aus dem nichts kommend schwebte plötzlich ein Himalaya Adler über uns hinweg. Sofort machte ich meine Kamera betriebsbereit, musste aber dann noch über 1h warten, bis ich ihn vors Objektiv bekam.

In Ledar (4200m) stiegen wir noch 400 Hm auf einen Vorberg, wo ich noch Himalaja Thars mit der Kamera verfolgte. Anschließend genossen wir einen herrlichen  Sonnenuntergang,  bevor wir eines der schlechtesten Quartiere auf unserem Rundkurs bezogen. Ein Ofen, der außer viel Rauch nichts zustande brachte veranlasste uns bereits kurz nach dem Abendessen unsere Schlafsäcke aufzusuchen.

 

 

11 Tag

Gott sei es gedankt, dass die starken Kopfschmerzen vom Abend zuvor wieder weg waren, ansonsten hätten wir absteigen müssen. Auch meiner Frau ging es, was Magen-Darm angeht  wieder gut, so starteten wir auf die vorletzte Etappe  Richtung Thorung La Pass. Das Tal wurde wieder enger und an den Hängen weideten große Herden Jacks. Gegen Mittag hatten wir Thorung Phedi( 4441m) erreicht, dies ist für die meisten Trekker der letzte Stützpunkt vor dem Pass. Wir entschieden uns aber, noch bis zum High Camp (4810m) zu gehen.

Nachmittags erklommen wir noch einen wunderschönen Aussichtsgipfel 100 Hm über dem High Camp und genossen den Sonnenuntergang. Auf Grund unserer schlechten Erfahrungen bezüglich Heizen vom Vorabend und in Anbetracht eines fehlenden Ofens im Gastraum stellten wir uns auf eine erneute frühe Bettruhe ein. Denn Beteuerungen unseres Guides, dass diese Lodge sehr wohl über einen „Heater“ verfüge, schenkten wir wenig Glauben. Umso größer war unser Erstaunen, als nach dem Essen elektrische Heizöfen unter den Tischen aufgestellt wurden.  So verbrachten wir noch einen gemütlichen Abend beim Kartenspiel mit einigen Trekkern anderer Nationen.

 

Gipfel über High Camp 4930m

12 Tag

Schon um 5:00 brachen wir an diesem Morgen auf, es war schweinekalt (–20°C) wie wir Bayern sagen. Eine Erklärung, warum alle so Früh hier lostiegern konnte uns auch unser Führer zunächst nicht geben. Später sagte er uns aber, dass es vor allem bei schlechtem Wetter immer wieder vorkommt, dass Personen die der Höhe und den Strapazen nicht gewachsen sind, extrem lange für den Weg zum Pass brauchen, manche benötigen 8h, und dadurch komme es immer wieder zu Gefahrensituationen bis hin zu Todesfällen durch Erschöpfung.

Schon nach 2h Gehzeit erreichten wir bei Sonnenaufgang den Thorung La Pass (5416m). Wem die Kondition nicht reicht der kann sich auch mit dem Maultier hochtragen lassen, wie wir sahen. Nach 1/4h am Pass ging es zuerst über den schneebedeckten Gletscher Richtung Muktinath. Der harte Schnee und teilweise vereiste Weg war etwas unangenehm, aber Steigeisen waren nicht erforderlich.

Die Landschaft hat sich schlagartig geändert, da wir uns nun auf der Leeseite der 8000er befinden gibt  es hier kaum Niederschlag, wodurch die Landschaft wüstenartig ist. Die Berge gegenüber gehören nun nicht mehr zu Nepal sondern zum Königreich Mustang und Tibet. Während des Abstieges schob sich ein neuer Riese in unser Blickfeld. Der Dhaulagiri mit seinen 8167m steht wie eine riesige weiße Pyramide in der Landschaft.

Schon gegen 11:00 erreichten wir unser Tagesziel Mukinath (3600m). Nachmittags besuchten wir noch eine große Klosteranlage bestehend aus hinduistischen Tempeln und buddhistischen Gompas.

Für Nachahmer ist zu empfehlen noch am selben Tag bis Kagbeni zu gehen.

 

Thorung La Pass 5416m

13 Tag

Wieder brachen wir zeitig am Morgen auf da wir sowohl aus den Erzählungen unserer Freunde als auch von unserem Guide wussten, dass täglich ab Mittag im Kali Gandaki Tal ein regelrechter Sturm einsetzt der einem Sand und Staub ins Gesicht bläst. Auch in der Beschreibung die wir hatten wurde dieser Wind erwähnt. Nach 2h Gehzeit erreichten wir einen Felsabbruch. Ca. 500m tiefer lag der Kali Gandaki River der wie in Urzeiten vom Königreich Mustang herausfließt. Die Landschaft war so gewaltig, dass man diese eigentlich nicht beschreiben kann.

Wir stiegen über einen in die Felsen geschlagenen Weg  ins Flussbett hinunter. Teilweise führte unser Weg das Flussbett oder die schon neu errichtete Straße entlang. Nach weiteren 2h Gehzeit erreichten wir die Provinzstadt Jomson (2710m,ca 5000 Einwohner). Bedingt durch den Flugplatz und die damit verbundene Anbindung zur Außenwelt waren hier bereits viele negative Zivilisationserscheinungen zu erkennen, wie z.B. Müll, stinkende und knatternde Motorräder und Kommerz.

Das mit den Checkpoints  kannten wir ja bereits, aber der in Jomson war der Hammer, die hatten gleich zwei hintereinander eingerichtet, einen von der Polizei und einen von der Nationalparkbehörde, und überall muss man den gleichen Sch...  ausfüllen.

Nun ging es weiter in dem gewaltigen Flussbett talabwärts und wir mussten uns gegen den gefürchteten Talwind stemmen, der einem ständig  Sand und Staub in die Augen blies. Nach endlos scheinenden 2h kamen wir in Marpha(2670m) an. Das mittelalterliche Dorf zählte mit seinen engen Gassen und Handwerksläden zu den Schönsten auf der Runde.

 

Kagbeni mit Kali Gandaki River

14 Tag

Wieder brachen wir zeitig gegen 7:00 morgens auf um dem Talwind weitgehend zu entkommen. Zuerst führte unser Weg direkt unter dem Dhaulagiri vorbei, dann querten wir das cirka 2km breite Flussbett, bevor wir gegen Mittag Kalopani( 2530m) erreichten. Während der Monsunzeit Juni-September sind diese Wege unpassierbar. Nun veränderte sich die Landschaft und vor allem das Flussbett wieder stark. Das Tal wurde enger und der gewaltige Fluss aus dem Tibet stürzte mit Getöse, manchmal wie in einer Klamm ins nepalische Tiefland ab. Der Höhenunterschied beträgt hier auf 40 Km 2000 Hm. Die Landschaft bekam wieder alpinen Karakter. In einer ziemlich neuerbauten Lodge kurz nach Ghasa (2080m) nächtigten wir.

 

Dhaulagiri 8167m

15 Tag

An diesem Tag ging es ständig am tosenden Kali Gandaki River talabwärts. Die große Überraschung des Tages war, nachdem wir alle Vegetationszonen und drei von vier Jahreszeiten durchschritten hatten, dass wir plötzlich mitten in der Kirschblüte und damit im uns noch fehlenden Frühjahr standen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Tatopani (1190m).  Die große Attraktion dieses Dorfes waren die heißen Quellen  in denen wir natürlich auch ein Bad nahmen.

 

 

16 Tag

Schon um 6:00 morgens brachen wir auf. 1800 Hm in tropischen Temperaturen standen uns bevor.

Zuerst ging es noch einmal 100Hm am Kali Gandaki River talabwärts, bevor wir über eine riesige Hängebrücke den Fluss querten und dann Richtung Ghorepani aufstiegen. Der Weg führte über die sehr fruchtbaren Westhänge des  Poon Hill, Reisfelder, blühende Kirschbäume, Bananestauden und reife Mandarinen prägten die Landschaft. Leider hatte sich an diesen Tag Bewölkung breit gemacht und man konnte nur an den Namen der Lodges  „Dhaulagiri View Lodge“ „Annapurna View Lodge“ die Aussicht erahnen.

Gegen 14:00 erreichten wir unseren Tagesziel  Ghorepani (2874m).  Kurz nach dem wir unser Quartier bezogen hatten begann es zu regnen, was deprimierend war, wenn man bedenkt, dass es hier zum „ best Himalaja Viewpoint“  geht. Unser Guide tat noch ein Übriges, indem er meinte, wenn es morgen früh immer noch bewölkt sei, könnten wir uns den Weg zum Poon Hill sparen. Dadurch wäre dann aber auch der schweißtreibende Aufstieg hierherauf überflüssig geworden, da man von Tatopani aus auch direkt talwärts wandern kann so man nicht auf den Poon Hill will.

Frühling im Hintergrund Baraha Shikhar 7647m

17 Tag

Schon um 5:00 standen wir auf, der erste Blick galt dem Wetter. Es herrschte Nebel aber mein Instinkt sagte mir, dass dieser nicht allzu hoch hinaufreicht. Unser Guide meinte zwar der Nebel reiche bis hoch zum Poon Hill und es sei besser hier zu bleiben, da der Weg umsonst sei, aber ich sagte: no risk no fun we go.

Ohne Frühstück marschierten wir los und schon nach ¼ Stunde waren wir durch den Nebel durch und ein sternenklarer Himmel lag über uns. Eine gute Stunde später hatten wir den Aussichtsgipfel „Poon Hill“ (3210m) erreicht, es war noch stockdunkel und bei –5° C und leichtem Wind saukalt.

Langsam wurde es heller und über einem Wolkenmeer standen die Gipfel des Himalaja vor uns. Zum Greifen nah der Annapurna South (7218m), Annapurna I( 8091m), östlich davon der heilige Berg Machhapuchhre (6993m), dahinter der Annapurna II und IV (7937m), und ganz im Osten der Manaslu (8163m), nach Westen hin dominierte der Dhaulagiri (8167m).

Eigentlich kann man es nicht beschreiben, wie zuerst das Tageslicht und dann die aufgehende Sonne die gewaltigen Gipfel zum leuchten brachte.

Nach 1 ½ Stunden mussten wir den Gipfel verlassen, ein weiter Weg  bzw. Abstieg stand uns noch bevor. Nach einem guten Frühstück im beheizten Gastraum ging es stundenlang durch den nepalesischen Regenwald, der zum größten Teil aus uralten, 20m hohen Rodedenthronbäume und später über Reisfelder steil ins Modi Khola Tal hinunter. Nach einem langen Tag nächtigten wir in Birethanti.

 

Annapurna I 8091m, Annapurna South 7218m,

18 Tag

Der Tag begann mit einer Verzögerung. In einem wochenlangen Treck wurde eine riesige Herde Schafe und Ziegen aus Tibet herausgetrieben und diese hatte sich vor einer der unzähligen Hängebrücken gestaut. Man sagte uns, die Tiere werden in das 50 km entfernte Pokahar zum Schlachten getrieben.

Nach einer ½ Stunde Gehzeit erreichten wir in Nayapul die Straße nach Pokhara. Wir waren erschüttert über die armseligen, slamsartigen Hütten hier, die einen krassen Gegensatz zu den wenn auch kleinen aber doch gepflegten Häusern und Lodges in den Tälern bildeten. Ca 10 Taxis warben um unsere Gunst, jedoch waren sie sich im Preis alle einig sie wollten 1500 NRP und was uns zu teuer war. So fuhren wir wieder mit dem öffentlichen Bus für 80 NRP Abenteuer inklusiv.

Nach 2h Fahrzeit kamen wir Pokhara an. Jaya unser Guide brachte uns noch zu einem Hotel bevor er nach Katmandu zurück fuhr.

Pokhara ist die Perle Nepals, die Stadt mit ca. 100000 Einwohnern liegt am Phawa Lake. Nachmittags ließen wir uns über den See schippern mit einem kleinen Zwischenstop auf einer Insel mit hinduistischem Tempel. Anschließend gingen wir auf die 600m über dem See gelegene „World Peace Pagoda“ und rundeten den Tag mit den Besuch der „Devi´s Falls“ ab.     

 

Insel mit hinduistischem Tempel im Phewa Lake

19 Tag

Leider war es an diesen Tag bewölkt und stark diesig, so dass es sich nicht gelohnt hätte auf einen der Aussichtsberge rund um Pokhara zu gehen. Anstatt dessen besuchten wir die  Bhimsen Tempel und in der Einkaufstraße einige der unzähligen Shops mit Mountain Equipment um das eine oder andere Schnäppchen zu erstehen.

 

Pokhara 600m

20 Tag

Von den abenteuerlichen Linienbusfahren hatten wir die Schnauze voll, so gönnten wir uns für die Rückfahrt ins 200 km entfernte Kathmandu einen Luxusbus inklusiv Mittagessen für 800 NRP = 8,8 € .

Nachdem wir von der Stille und Einsamkeit der Berge wieder ins das Gewühl, Verkehrschaos und den extremen Smog der Millionenstadt eintauchten, dachte wir, wir seien auf einem anderen Planeten.

Zum Sonnenuntergang besuchten wir noch das über Kathmandu gelegene Swoyambhunath mit der 2500 Jahren alten Stupa und seinen vielen Affen. Der Besuch ist ein Muss für jeden der nach Kathmandu kommt.

 

Swoyambhunath am Rand von Kathmandu

21 Tag

Der Tag begann mit einer Taxifahrt ins 20 Km entfernte Baktapur. Wichtig ist dabei unbedingt den Preis vorher auszuhandeln.

Baktapur ist eine alte Königstadt mit vielen Tempelanlagen, Gassen mit verschiedenen Handwerken welche noch wie im Mittelalter ausgeführt werden. 

Nachmittags fuhren wir nach Pashupathinath, eines der wichtigsten Heiligtümer der Hindus mit unzähligen Tempeln, welche von der Zeugung bis zum Tode ihre Bestimmung haben. Wenn man diese Stätte besucht, benötigt man eine Gewisse Härte, da sich hier die Verbrennungsstätte der Hindus befindet und ständig Tote auf dafür vorgesehenen Verbrennungsplattformen verbrannt werden.

Zum Ausklang des Tages besichtigten wir noch die Boudha Stupa, sie ist die größte des Landes und den Besuch kann ich nur empfehlen.

 

Heilige Männer in Pashupathinath

22 Tag

An diesem letzten Tag unseres Aufendhaltes in Kathmandu besuchten wir als erstes noch die Königsstadt Patan. Diese ist ähnlich wie Baktapur aufgebaut nur mit mehr geschäftlichem Treiben und es gibt dort einen golden Tempel, der etwas schwer zu finden ist, aber einen Besuch mehr als Wert war.

Zum Abschluss stand noch den Durbar Square auf unserem Programm und danach konnten wir keinen  Tempel mehr sehen.

Zum Abschluss genossen wir noch das Treiben in Thamel dem alten Stadtzentrum von Kathmand bevor wir Abends den Rückflug nach Hause antraten mit der Gewissheit, nicht zum letzten Mal hier gewesen zu sein. 

 

Kamasutra-Tempel mit nepalesischer Verdrahtung

 

Wer den Bericht liest und die Tour macht wünsche ich auch so große Eindrücke wie wir sie hatten. Leider geht dieses fantastische Treckerparadies durch den Straßenbau, welcher in wenigen Jahren das ganze  Kali Gandaki bis Kagbeni sein wird unwiederbringlich verloren.

 

Bericht: Altmannshofer Max und Christiane